| Satanismus
Vorwort
In
der gegenwärtigen "religiösen und
weltanschaulichen Randszenerie" stellt der
Satanismus sicherlich den schillerndsten und
spekulativsten Bereich dar. Es vergeht kaum ein Tag der
Woche, an dem nicht der Teufel in Fernseh- oder
Rundfunkprogrammen, in irgendeiner Zeitung oder
Illustrierten zum medienwirksamen Gegenstand öffentlichen
Interesses gemacht wird. Man kann sich des Eindrucks
nicht erwehren, daß parallel zur zunehmenden
Thematisierung von Satan, Teufel und Luzifer in den
Medien auch die Unwissenheit und Verwirrung über die
Erscheinungsformen des Satanismus in der Öffentlichkeit
zu-, aber gleichzeitig das sachliche Reflektieren über
geeignete Präventionsmaßnahmen abnimmt.
Hier
wird man, hoffentlich nicht vergebens, an die
Verantwortung der Medien für eine sachgerechte
Berichterstattung, frei von jeglicher Sensationsgier und
Effekthascherei, appellieren müssen. Es wäre
allerdings blauäugig zu glauben, ein Appell würde alle
Probleme der Berichterstattung über Satanismus auflösen.
Medien werden immer eine Vielzahl von - auch
sachgerechten - Informationen zusammenfassen,
komprimieren und publikumswirksam aufbereiten. Die
Gefahr besteht, daß in ihrer Berichterstattung nicht
nur "Trends" aufgenommen und verarbeitet,
sondern in erster Linie es zur "agenda-setting
function of the press" kommt, d.h.
"Trends" produziert werden (s. Aufsatz von Dr.
U. Müller "Zur Konstruktion von Wirklichkeit"
in "Jugend & Gesellschaft", 4, 1988).
Nicht
nur die Medien können eine
"Trendsetterfunktion" ausüben. Auch die
Experten werden ihren Dienst und ihre Arbeitsweise einer
sorgsamen Selbstreflexion und Supervision unterziehen müssen.
Naturgemäß kann es nicht die Aufgabe kirchlicher und
staatlicher Sektenexperten oder Experten von "Betroffenen"-
und "Eltern-Initiativen" sein, bis ins letzte
i-Tüpfelchen sozialwissenschaftlich gedeckte Aussagen,
wenn es die denn schon im ausreichenden Maße für den
Bereich Satanismus geben würde, zu machen. Es geht
vielmehr darum, das berechtigte Anliegen nach Schutz und
therapeutischer Hilfe für die Involvierten und
Aussteiger und die immunisierende Aufklärung für die
"Noch-nicht-Betroffenen" vor Augen zu haben.
Um diese Aufgabe effizient erfüllen zu können, wird in
geeigneter Art und Weise auch die Zusammenarbeit mit den
Medien zu suchen sein.
In
Gesprächen mit und Beratungen von Jugendlichen und
Erwachsenen tritt häufig ein anderes Problem zu tage.
Oft wird man mit "überhöhten, märchenhaften Erzählungen"
konfrontiert, so daß die Klärung und das Herauslösen
des tatsächlich Geschehenem von der Phantasie und der
oft zu beobachtenden Wahrnehmungsverschiebung der
Involvierten oder Sekundär-Betroffenen viel Zeit und
Anstrengung in Anspruch nimmt. Auch ist bei einer Anzahl
von "Beratungsuchenden" eine
psychopathologische Auffälligkeit zu konstatieren.
Wieviel
an Wahrheit steckt in den oft unglaublichen Berichten
von Aussteigernund "Noch-Involvierten" über
rituelle Praktiken? Was ist von den Fundenangeblich
rituell geschächteter Tiere zu halten? Gibt es
Rituellen Mißbrauch oder sogar
"Menschenopferungen" in der Bundesrepublik?
Welche Auswirkungen hat das Verletzen der "Arkandisziplin"?
Wie kann man sich mit einer "Satanssekte"
einlassen und in ihr involviert werden? Das sind die häufigsten
der unsystematisch gestellten Fragen in vielen meiner
Vorträge und Beratungen.
Mit
diesen Ausführungen soll der Versuch unternommen
werden, den Satanismus phänomenologisch (weniger
historisch, denn dafür gibt es genügend gute und
informative Abhandlungen auf dem Markt - s.
Literaturhinweise am Ende) wahrzunehmen und
Verstehenshilfen für den eigenen Umgang mit dieser
Thematik anzubieten. Dabei ist zu berücksichtigen, daß
der Autor als "Weltanschauungsbeauftragter in der
Ev.-luth. Landeskirche Hannovers" ein
theologisch-apologetisch geprägtes Vorverständnis
mitbringt.
1.
Einleitung
Die
erste Feststellung, die wir für den Bereich Satanismus
treffen müssen, ist die, daß es "den
Satanismus" gar nicht gibt! Satanismus ist von
seiner "Philosophie", Weltanschauung und
Ritual-Praxis her beurteilt kein monolithischer Block,
denn es gibt nicht nur eine, sondern vielzählige
Vorstellungen und Seinsarten. Die unterschiedlichsten
Traditionen von alt-ägyptischen Mythologien über
Kelten, Wicca-Kulte, Gnostischen Vorstellungen bis hin
zu westafrikanischen und haitianischen Voodoo-Praktiken
oder Rituale der kubanischen Santeria werden im
Satanismus der Neuzeit und Moderne ("Neo"-Satanismus)
gemischt und praktiziert. Diese Art von Synkretismus
erschwert eine korrekte Definition des Satanismus. Am
ehesten gelingt eine Kategorisierung, wenn wir die
unterschiedlichen satanistischen Strömungen auf ihre phänomenologischen
Seiten hin untersuchen. An dieser Stelle sei der Hinweis
angebracht, daß es unzählige Versuche gab und gibt das
weite Feld des Satanismus mit allen seinen
"Spielarten" in einen definitorischen
Zusammenhang zu stellen. Welche Kategorisierung gewählt
wird, hängt entscheidend von der persönlichen oder
beruflichen Betroffenheit und Herangehensweise der
Autoren und Experten in dieser Frage ab. Berater und
Therapeuten, die sich überwiegend mit Rituellem Mißbrauch
im Satanismus beschäftigen, werden eine andere, für
ihre Arbeit brauchbare Klassifizierung satanistischer
Gruppen und Organisationen suchen als z.B. kirchliche
Weltanschauungsbeauftragte, die sich neben der
Seelsorge-Praxis auch mit der Phänomenologie unter
Einbindung religionsgeschichtlicher und
systematisch-theologischer Fragestellungen zu beschäftigen
haben.
Zweitens
muß eine fast als Paradoxie anmutende Prämisse im
Satanismus zur Kenntnis genommen werden, nämlich, daß
im Glaubenssystem und in der Ritualpraxis nicht die
Figur oder Person des Satan, Teufel, Luzifer im
Vordergrund steht. Im Mittelpunkt des Interesses an
Satanismus und als primäres Ziel der Ritualpraxis steht
vielmehr die "Selbstvergottung" des Menschen.
Der Mensch ist das Maß aller Dinge!
Die
Erkenntnis der eigenen Göttlichkeit soll mit Hilfe von
Ritualsystemen, die das orgiastisch-libidinöse Ausleben
des menschlichen Urtriebes - der Sexualität - zum
Inhalt und Gegenstand (z.B. in der rituellen
Sexualmagie) machen, vorangetrieben werden.
Drittens
bleibt festzuhalten, daß der "Satanismus" mit
seinen Glaubens- und Weltdeutungssystemen, sowie seiner
Ritualpraxis Menschen die Möglichkeit verschafft, mit
ihren Mangelerfahrungen in einer gesellschaftlich nicht
tragbaren und häufig kriminellen Art und Weise
umzugehen. Das Gefühl über Rituale Power, Macht über
Menschen und anderen Kreaturen zu bekommen, latent
vorhandene Wut auszuleben, Naturgesetze zu seinem
Vorteil verändern zu können stellt für manchen
ichschwachen Menschen einen Grund dar, sich dem
Satanismus zuzuwenden. Immer wieder begegnen mir in
Gesprächen mit satanismusinvolvierten Personen ihre
starken "Minderwertigkeitskomplexe" und der
Glaube, diese durch Ritualpraxis in eine "Ichaufwertung"
umzuwandeln. Ein Berufsschüler erzählte mir, daß er
als Außenseiter in der Klasse, von den Mitschülern
physisch und psychisch drangsaliert, ab dem Zeitpunkt in
Ruhe gelassen wurde, als er vom äußeren Habitus sich
als einen "magisch Praktizierenden" zu
erkennen gab. Der junge Mann war nicht integrierter im
Klassenverband, aber er bekam keine Schläge mehr und
war dementsprechend von dem Funktionieren seiner
Ritualpraxis felsenfest überzeugt. Der Trugschluß von
der "Ichaufwertung durch Ritualpraxis" und die
Erfahrung von ritueller Gewalt im Alltag satanistischer
Praxis ist meines Erachtens mit dafür verantwortlich,
daß bei einem Teil der Involvierten in einem nicht
unerheblichen Maße psychopathologische Auffälligkeiten
(angstneurotische und psychotische Zustände, MPS etc.)
festzustellen sind. Dabei wird die Frage offenbleiben müssen,
ob die Ritualpraxis Anlaß und Auslöser oder ob eine
vorhandene Disposition der Involvierten für den
psychopathologischen Befund auschlaggebend sind.
2.
Aleister Crowley und der "Moderne" Satanismus
Für
den rituellen Satanismus der Moderne ist die Person des
Okkultisten und Schwarz- bzw. Sexualmagier's Aleister
Crowley (12.10.1875 - 1.12.1947) von entscheidender
Bedeutung. Crowley, im strengen Sinn kein Satanist (s.
Massimo Introvigne, "Auf den Spuren des
Satanismus", EZW-Materialdienst, S. 166, Stuttgart
6/1992; Gleichzeitig kann man Crowley nicht im
eigentlichen Sinn als Satanisten ansehen, weil die
okkulten Kräfte, die er erwecken will, nicht mit dem
Teufel der Bibel identifiziert werden, von dem er
schlicht und einfach feststellt, er existiere nicht (Aleister
Crowley, "Magic in Theory and Practice", S.
86,New York 1973)), hielt sich, obwohl schon sieben
Monate nach dessen Tod geboren, für die Reinkarnation
des berühmten Okkultisten Eliphas Levi (Eliphas Levi:
"Für die Initiierten ist der Teufel keine Person,
sondern eine schöpferische Kraft, zum Guten sowohl zum
Bösen" ). Crowley wuchs in einer bigotten,
puritanisch ausgerichteten Familie, die sich zu den
„Plymouth Brethren" hielten, auf. Das eigenwillig
und vielleicht auch schwer erziehbare Kind Edward
Alexander wurde von der überforderten Mutter regelmäßig
mit dem Attribut "Beast" aus der
Johannesapokalypse (dort mit der mystischen Zahl 666
versehen) bedacht. Diesen, von seiner Mutter initiierten
"Titel", behielt er bis zu seinem Tode unter
der Bezeichnung "To Mega Therion - The Beast
666" bei. Vermutlich birgt die sexual- und
lebensfeindliche Erziehung den Grund für Crowleys
sexualmagische Versuche und (Opfer-) Rituale, die in
ihrer Perversion (Sodomie, sexueller Mißbrauch und
nicht nachgewiesenen angeblichen Menschenopferungen (Aleister
Crowley fordert im "Liber Al vel Legis" III,
12-13: "Opfert Tiere, kleine und große und danach
ein Kind, aber nicht jetzt")), kaum zu überbieten
waren und gegen jegliche gesellschaftlichen und
christlich-religiösen Konventionen verstießen.
Wahrscheinlich mußte er u.a. deshalb als persona non
grata seine 1920 in Cefalu auf Sizilien gegründete
"Abtei Thelema" 1923 wieder verlassen.
Ein
von Geldsorgen geplagter Crowley versuchte, hemmungslos
schmarotzend auf Kosten seiner Anhänger zu leben und
reiche Frauen ausfindig und abhängig zu machen, die
seine Vorlieben finanziell unterstützten und deckten.
Vermutlich beschäftigte er sich deshalb auch mit dem
Autoren Abraham von Worms (gestorben 1458), der unter
dem Namen Abra-Melin als Magier sein Unwesen trieb und
angeblich durch eine "magische Operation" des
dritten Buches in Besitz von drei Millionen Goldstücken
gelangte (s. Harald Baers Aufsatz über
"Satanismus" in "Unsere Seelsorge",
Okt. 1986).
Mit
Crowley verliert der aus dem französischen Kulturraum
stammende Satanismus des 17. (Abbé Guiborg, Catherine
Deshayes, Madame de Montespan) bis hin zum literarischen
Satanismus des 19. Jahrhunderts (Charles Baudelairs,
1821 - 1867, Arthur Rimbaud, 1854 - 1891) endgültig
seine Bedeutung (s. die einseitig gefärbten Ausführungen
von Joachim Schmidt "Satanismus-Mythos und
Wirklichkeit", S.97, 131 Marburg 1992. Schmidt soll
nach den beiden Grandt-Zwillingen und ihrem Buch
"Schwarzbuch Satanismus", S. 18, Augsburg,
1995 der in der Satanismus-Szene bekannte
"Nadir" sein. Außerdem soll er nach Kennern
der Szene bekenndendes Mitglied des Ordo Saturni sein.)
Im Gegenzug nimmt die Bedeutung und der Einfluß eines
vom anglo-amerikanischen Kulturraum geprägten
Satanismus zu. Crowley ist bis heute "Spiritus
rector" und Ideenlieferant für eine Vielzahl von
Gruppen und Organisationen und ihren Ritualen geblieben.
1904 erhielt er in Kairo visionär eine Offenbarung von
einem "Geistwesen" namens "Aiwaz"
(oder auch "Aiwass"), einem Sendboten "Set's",
dem König der Verwüstung und Zerstörung und dem Mörder
des Osiris. Die Offenbarung findet ihren Inhalt im
"Liber Al vel Legis" ("Buch des
Gesetzes") und soll den heranbrechenden neuen
"Äon des Horus" proklamieren. Aus seinem
Liber OZ sub Figura LXXVI (zitiert bei Horst Knaut,
"Das Testament des Bösen", S. 171 f, Seewald
1979) entstammen die als thelemitisches Gesetz und als
"Crowley-Charta" bekanntgewordenen und bis
heute bei den meisten Gruppen (nicht nur den
thelemitischen) als heimlich-ideologisches Leitmotiv
akzeptierten Gedanken:
"Das
Gesetz des Starken: das ist unser Gesetz und die Freude
der Welt.
Tu was du willst, soll sein das ganze Gesetz.
Du hast kein Recht als deinen eigenen Willen zu tun.
Tue den, und kein anderer soll Nein sagen.
Jeder Mann und jede Frau ist ein Stern.
Es gib keinen Gott außer dem Menschen.
Der
Mensch hat das Recht, nach seinem eigenen Gesetz zu
leben:
zu arbeiten wie er will,
zu spielen wie er will,
zu ruhen wie er will,
zu sterben wann und wie er will.
Der
Mensch hat das Recht zu essen
was er will,
zu trinken was er will,
zu wohnen wo er will,
zu reisen auf dem Antlitz der Erde wie er will.
Der Mensch hat das Recht zu denken was er will,
zu sagen was er will,
zu schreiben was er will,
zu zeichnen, malen, schnitzen,
ätzen, gestalten und bauen wie er will,
sich zu bekleiden wie er will.
Der
Mensch hat das Recht zu lieben wie er will;
auch erfüllet euch nach Willen in Liebe,
wie ihr wollt, wann, wo und mit wem ihr wollt!
Der
Mensch hat das Recht all diejenigen zu töten, die ihm
diese Rechte zu
nehmen suchen.
Die Sklaven sollen dienen.
Liebe ist das Gesetz, Liebe unter Willen!"
Hier
wird defacto eine Zwei-Klassen-Gesellschaft ausgerufen:
die "Gods" und das Palindrom dazu die "dogs".
"Die Dogs sollen machtlos dienen, die Gods
regieren. Wer nicht erleuchtet ist, gilt als Sklave
durch eigenen Willen. Doch sollen unsere Sklaven freie Männer
sein. Sie sollen arbeiten, wo sie wollen, wann sie
wollen und wie sie wollen. Der Unternehmer mag sie
heuern und feuern wie er will. In dieser kontrollierten
Anarchie gibt es keine Polizei (jeder sorgt mit
Freundeshilfe für seine eigene Sicherheit), keinen
Gesundheitsdienst und keinen Schulzwang. Kein Kind muß
zu Schule ohne natürliche Neigung. Aufstiegschancen
gibt es freilich genug. Wer die schweren magischen Prüfungen
packt, kann sogar König werden, aus welcher Kaste auch
immer er kommt. Aber die meisten sind ja zufrieden, wenn
sie ein Stück Fleisch auf dem Tisch und ein Weib im
Bett haben. Jeder tut eben, was er will: Laßt Schuster
Schuster sein, Soldaten Soldaten, Physiker Physiker,
Priester Priester! Keine Arbeitslosenunterstützung! Wer
zu schwach zum Überleben ist, sei verdammt und tot!
Amen." (aus: Josef Dvorak, "Satanismus -
Schwarze Rituale, Teufelswahn und Exorzismus Geschichte
und Gegenwart", S.123f, München 3. Aufl. 1994)
Dieses
thelemitische Gesetz zementierte ein Unterdrückungssystem,
daß im Grunde genommen nur einen "God" zuließ
und das war das "To Mega Therion-The Beast
666". Er bestimmte die "Richtlinien der
Politik" und seinen Anordnungen, waren sie noch so
unsinnig oder gefährlich, mußte unbedingt Folge
geleistet werden! Dazu dienten Übungen und Trainings,
die jeder durchlaufen mußte: von der Verpflichtung zur
Führung des "magical record", ein Tagebuch,
das Crowley zur Begutachtung vorgelegt werden mußte,
bis dahin, das Zeitungslesen verboten war und Außenkontakte
auf ein Minimum reduziert wurden. Die Neophyten (1.
Initiationsgrad) durften nicht das Wort "Ich"
gebrauchen. Bei Verletzung dieser Regel mußten sie sich
mit einem Rasiermesser Schnitte in den Unterarm zufügen
(s. Harald Baer, a.a.O., S. 18).
Crowley
übernahm 1921 die Leitung des O.T. O. (Ordo Templi
Orientis) vom damaligen Agenten Theodor Reuß und
verlagerte einen Teil der Aktivitäten in die USA nach
Kalifornien. In der Folge wurden aus der kalifornischen
Sektion 40 "aktive Abteilungen" gegründet,
die zum Teil bis heute noch aktiv sind. 1947 starb
Crowley zweiundsiebzigjährig als Alkoholiker und
geistig umnachtet. In seinem Tagebuch gesteht er, daß
er sich "hervorgetan" hat "durch
Verderbtheit und getrunken nach den 333 Regeln des
Suffs" (s. John Symonds, "Aleister Crowley-Das
Tier 666", Basel 1983).
3.
Typologien und Lexikalisches
Typologien
haben neben ihrer guten, leider auch eine unangenehme
Seite. Denn sie suggerieren, daß man den Satanismus
systematisch klassifizieren kann und daß satanistische
Organisationen, Gruppen, Logen etc. in Reinkultur
vorhanden, dem jeweiligen Typos einfach zuzuordnen
seien. In Wirklichkeit können wir es nur Ansatzweise
wagen und mit dem Wissen um die Kritikwürdigkeit dieses
Versuchs, den Satanismus der Neuzeit zu typologisieren.
Der Italiener Marcello Truzzi unterteilt den Satanismus
in zwei große Kategorien, den unabhängigen
"Einzelgänger-Satanisten" und den
"Gruppen-Satanisten" und davon werden weitere
elf Arten (s. Massimo Introvigne, a.a.O., S. 167)
abgeleitet. Brauchbarer für meine Arbeit halte ich die
Typologie, quer zur soziologischen Unterscheidung von
"Einzelgänger"-und
"Gruppen-Satanismus", die sich nach Massimo
Introvigne stärker auf symbolische und kulturelle Typen
bezieht:
3.1.
"Ritueller Satanismus"
Der
rituelle Satanismus wirkt kirchen- und ordensgründend.
Von seinem Lehrgut ist er neugnostisch einzuordnen. Das
Erscheinungsbild der Logen wird aus dem Freimauertum
entlehnt sein, obwohl diese absolut nichts mit dem
Satanismus zu tun haben.
Der
wichtigste Vertreter diesen Typs ist der oben schon erwähnte,
von den beiden schweizer Theosophen Dr. Karl Kellner und
Dr. Franz Hartmann 1895 gegründete sexualmagische
"Ordo Templi Orientis" ("O.T.O.-Orientalischer
Templer-Orden"). Crowley übte einen entscheidenden
Einfluß nach seiner 1922 vollzogenen O.T.O.-Übernahme
aus und ließ sich 1924 in Weida / Thüringen als
Weltheiland ausrufen (s. A. und F.-W. Haack,
"Jugendspiritismus und -satanismus", S.23 f, München
1989). Nach internen Querelen um die Nachfolge und das
Erbe Crowleys scheint der O.T.O heute wieder auf
Konsolidierungskurs zu liegen. Gleichwohl dürfte der
Mitgliederbestand in Deutschland keine spektakulären
Ausmaße angenommen haben.
Die
sexualmagische Geheimloge "Fraternitas Saturni
(FS)" ist eine im Jahre 1926 auf den Berliner
Okkult-Buchhändler Eugen Grosche, alias Gregor A.
Gregorius (1888 -1969) zurückgehende Gründung. Im
wesentlichen wurden die Lehren des O.T.O. mit dem
thelemitischen Gesetz übernommen. Einer der Meister der
FS ist der Großkanzler "Frater Honorius", der
ehemalige Realschullehrer Dieter Heikaus. Der derzeitige
Mitgliederbestand ist nicht erfahrbar.
In
der Nachfolge der FS, obwohl zu ihr keine Verbindung
besteht, sieht sich die amerikanische "Ancient
Brotherhood of Satan (ABS)" und deren Oberhaupt
"demon Egan", ein amerikanischer Jazzmusiker,
Filmemacher und Immobilienverkäufer. Die ABS ist
Herausgeber einer weltweit vertrieben Zeitschrift "Brimstone".
Der
"Ordo Saturni (OS)" kann als selbständige
Tochterloge der "Fraternitas Saturni"
bezeichnet werden. Sie ist thelemitisch ausgerichtet und
arbeitet magisch-rituell. Getragen wird der OS von einer
"Esoterischen Studiengesellschaft e.V.", in
Ankum bei Bersenbrück ansässig. Neben Crowleys und
seinen Schriften gilt auch die Person des ehemaligen
FS-Großmeister Greogor A. Gregorius als anerkannt.
"Thelema-Orden
des Argentum Astrum", heute "Thelema
Netzwerk", gegründet durch den 1949 geborenen
Michael Dietmar Eschner. Eschner fühlt sich als die
Reinkarnation Aleister Crowleys. Nach Aussage des
Frankfurter Führers des Illuminatenordens H. Englert wäre
das die sechzehnte bekanntgewordene "Crowley-Reinkarnation".
Eschner fühlt sich, als das "große Schwein
666", der thelemitische Tradition verpflichtet. Er
kam aufgrund Mißbrauchsritualen (u.a. durch Folter,
z.B. Daumennagelbissen) von (Ex)Mitgliedern und
insbesondere wegen sozialhilferechtlicher
Angelegenheiten mit der Berliner Justiz in Kontakt. Nach
dem Prozeß verlegte er sein Domizil nach Bergen / Dumme
in die Lüneburger Heide. Auch diesmal kam es wieder zum
"Rituellen Mißbrauch" mit Körperverletzung
(sexuelle Nötigung mit Anal-Koitus, zweifache
Vergewaltigung, Folter mit brennenden Zigaretten im
Brust- und Schambereich usw.) von ausstiegswilliger
Frauen. Diesmal mußte Eschner eine sechsjährige Strafe
in der JVA Uelzen bis zum heutigen Tag absitzen. Eschner
ahmte Crowleys Treiben in Cefalu nach und praktizierte
selbstverständlich auch dessen Perversitäten. Kot und
Urin, unter Betäubung mit Wodka und als
"Ausbildungsabend" oder
"Ekeltraining" deklariert, mußten
Einstiegswillige konsumieren, damit neben der
"neuen Erfahrung" auch ihre psychische
Umkonditionierung im Sinne der Organisation und ihres
Leiters (Abt von Thelema) stattfinden konnte. Auch die
schon bekannten Rasierklingenschnitte beim Ausprechen
des Unwortes "Ich" und die Führung eines
"magischen Tagebuches" durften nicht fehlen.
Ganz zu schweigen, das Eschner die unumstrittene
Leiterschaft nicht streitig gemacht werden konnte. Die
heutige Mitglieder- und Sympathisantenszene dürfte sich
ausgeweitet haben, zumal nach dem Fall der Mauer ein
neues Betätigunsfeld in den östlichen Bundesländern
gesucht wird. Der Verlag Kersken-Canbaz in Bergen
vertreibt das thelemitische Gedankengut und die
monatlich erscheinende Hauspostille "Abrahadabra"
(AHA) klärt den geneigten Leser über Internas und
Ritualsyssteme auf.
Ein
typischer Vertreter des rituellen Satanismus ist noch
die im Stile einer Kirche aufgezogene "Ecclesia
Gnostica Catholica", deren jeweiliger Leiter für
ihr "bischöfliches Amt" eine
"apostolische Sukzession" für sich in
Anspruch nehmen. Sie ist eine Tochtergründung des O.T.O.
und hat von Crowley das Ritual (canon missae) übernommen,
in dem u.a. "To Mega Therion, Hermes, Pan, Priapus,
Simon Magus, Bardesanes, Roderich Borgia, Papst
Alexander VI, Ludovicus, Rex Bavariae, aber auch Crowley
selbst" angerufen wird. Die Priesterin entkleidet
sich und ruft: "Der nackte Glanz bin ich des wollüstigen
Himmels der Nacht. Zu mir! Zu mir!" Und bei der
Darbringung von Brot und Wein werden die Worte "Touto
esti to sperma mou" ausgerufen (aus A. und F.-W.
Haack, a.a.O., S. 21). Über die Mitgliederstärke
dieser "Satanskirche" ist nichts bekannt und
sollte daher eher vorsichtig und zurückhaltend eingeschätzt
werden.
3.2.
"Rationalistischer" Satanismus
Der
rationalistische Satanismus sieht in Satan keine
anthropomorphe Gestalt, sondern eine Chiffre, ein Symbol
der Auflehnung gegen den allgemeinen und religiösen
ethischen Konsens in der Gesellschaft. Alles, was in der
Gesellschaft tabuisiert worden ist, wie Sexualität,
Gewalt, Extase, ausschweifender orgiastischer Lebensstil
wird wieder eingeführt und damit bewußt ein Bruch mit
den gängigen moralischen Vorstellungen provoziert. Hier
wird der Satanismus tendenziell zur atheistischen
Religion (s. Massimo Introvigne, a.a.O., S. 169), in der
das Leben, die Natur und die Vernunft religiös-ideologisch
überhöht werden. Liturgien und Rituale des
Christentums werden benutzt und ins Gegenteil verkehrt,
damit soll die emotionale und reale Absage an
christlich-jüdische Traditonen besiegelt werden.
Als
ein typischer Vertreter dieser Richtung kann Anton
Szandor LaVey (bürgerlicher Name: Howard Levy) mit
seiner am 30.4.1966 (Walpurgisnacht) gegründeten
kalifornischen "Church of Satan" gelten. Der
"Irdische Vertreter seiner Höllischen Majestät",
so seine Eigenbezeichnung, verfaßte im gleichen Jahr
die "Satanic Bible" mit den neun "Satanic
Statements", die die typische Auffassung des
rationalistischen Satanisten LaVey widerspiegeln:
"1.
Satan repräsentiert das Gewährenlassen anstelle der
Abstinenz.
2. Satan repräsentiert das Vitale anstelle leerer
spiritueller Träume.
3. Satan repräsentiert unbegrenzte Weisheit statt
heuchlerischem Selbstbetrug.
4. Satan repräsentiert freundliches Verhalten einzig
denen gegenüber, die es verdienen, anstelle nutzloser
Liebe gegenüber Unwürdigen.
5. Satan repräsentiert Rache, anstatt die andere Wange
hinzuhalten
6. Satan repräsentiert bei Auseinandersetzungen die
Verantwortlichkeit dessen, der verantwortlich ist,
anstelle der Sorge um psychische Vampire.
7. Satan repräsentiert den Menschen als nichts anderes
als ein anderes Tier, manchmal besser, aber viel häufiger
schlechter als jene, die auf vier Füßen gehen, ein
Tier, das mit seiner angemaßten göttlichen Entwicklung
intellektueller und spiritueller Art schlimmer als alle
anderen Tiere geworden ist.
8. Satan repräsentiert alle sogenannten Sünden, soweit
sie physischer, geistiger oder emotionaler Befriedigung
dienen.
9. Satan ist der beste Freund, den die Kirche jemals
gehabt hat, weil sie ihn all' die Jahre im Angebot
gehabt hat."
(Anton
Szandor LaVey, "The Satanic Bible", S. 25,
1966)
1972
unternahm der ehemalige niederländische Schauspieler
Martin Lammers den Versuch, eine, mit einem Lehrauftrag
versehene Grotte in Etersheim zu installieren. Dazu
erwarb er eine der ältesten protestantischen Kirchen
und funtionierte sie zu einem "Satans-Tempel"
um. Ab 1976 hält sich Lammers in Amsterdam auf und baut
im Rotlichtviertel eine Kapelle und betreibt einen
Nachtclub mit Namen "Walpurgis-Abtei". Nach
vorsichtigen Schätzungen muß man Lammers Gruppe in
Holland mit 70 Personen veranschlagen, allerdings dürfte
der Kreis der Sympathiesanten und Neugierigen den
vierstelligen Bereich erklommen haben.
1975
fand das große Schisma statt, aus dem der "Temple
of Set" als wichtigste Gruppierung hervorging. Ärger
brachte der Vorwurf an die Adresse LaVey's, er würde
"satanistische Priesterweihen" verkaufen. Die
Mehrheit der Anhänger der "Church of Satan"
in den USA, vermutlich über 500 Priester, wechselten in
das Lager von Aquinos "Temple of Set" (s.
Massimo Introvigne, a.a.O., S. 174f). Heute die dürfte
die "Church of Satan" dank der Zunahme von
"Unterabteilungen" weltweit durchaus wieder
eine Rolle spielen. Zu ihr zählen sich u.a. "Order
of the Evil Eye".
3.3.
Okkultistisch-traditioneller Satanismus
Der
okkultistisch-traditonelle Satanismus akzeptiert das
Welt und Geschichtsverständnis der Bibel (s. Massimo
Introvigne, a.a.O., S.168). Für ihn ist Gott eine nicht
zu leugnende Tatsache. Satan, der Gegenspieler Gottes,
ist der Herrscher dieser Welt. Seine Power wird sich
durchsetzen und insofern ist das Christentum ein
Auslaufmodell. Wir finden bei den Organisationen, Logen,
Orden und Gruppen dieses Typos einen ausgeprägten
Dualismus vor. Außerdem wird anhand von Indizes
versucht, dieses Welt- und Glaubensbild zu stützen.
Dazu dienen die vielen Kriege in der Welt mit ihren
Greueltaten, menschliche Gemeinheiten und
gesellschaftliche Brutalitäten als Beweise.
Ein
typischer Vertreter dieser Gattung ist der "Temple
of Set" des Dr. Michael A. Aquino. Durch die
Anrufung des "Fürsten der Finsternis" suchte
Aquino eine höhere Legitimation für die Neugründung
seiner Organisation. Auch hier, ähnlich wie bei Crowley,
bekommt der Visionär Kontakt mit einer "dunklen
Gottheit", die sich als "Set" aus der ägyptischen
Mythologie identifizieren läßt und ihm durch Diktat
das "Buch des Lebens", das spätere zentrale
Werk des Temple, offenbart (s. Joachim Schmidt, a.a.O.,
S.173). 1975 wird der "Temple of Set" in den
USA als gemeinnützige Kirche mit einhergehender
Steuerbefreiung staatlicherseits anerkannt. Aquino, dem
die wirklich erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit LaVeys
ein Dorn im Auge war, besann sich wieder auf die
esoterischen Traditionen: keine öffentlich zugänglichen
Rituale, Probezeit von zwei Jahren vor der Initiation,
kein Gewinnstreben in der Organisation, alle Ämter
bleiben "Ehrenämter" und unterliegen keiner
Honorierung. Die Gradeinteilung ist ähnlich der bei der
"Church of Satan" und die Organisation wird
vom "Rat der Neun" geleitet, deren Mitglieder
wiederum auf neun Jahre gewählt sind. Aquino hatte
interessanterweise in den 80er Jahren ähnliche
Schwierigkeiten mit den Mitgliedern seines "Temple
of Set", die ihm autokratische Tendenzen vorwarfen
wie LaVey mit denen seiner "Church of Satan"
(s. Massimo Introvigne, a.a.O. S. 195). Seine Lösung
war elegant: Er zog sich als "Ipsissimus"-Initiierter
auf das Altenteil eines emeritierten Großmeisters zurück
und überließ das Feld seinem Nachfolger Steven Flowers,
einem texanischen Englischprofessor.
Aquino
und der "Temple of Set" propagierten und
praktizierten die "kleine und große schwarze
Magie" In der kleinen schwarzen Magie geht es im
wesentlichen um die Anwendung "von einfachen Tricks
der Desinformation bis zu extrem subtilen und komplexen
Manipulationen psychologischer Faktoren in der
menschlichen Persönlichkeit (s. M.A. Aquino,
"Black Magic in Theory and Practise", in „The
Crystal Tablet of Set", S. 5f; 10 ff), die Aquino
als Offizier der US-Navy, dort zuständig für
Spionageabwehr und Desinformation, sich während seiner
Dienstzeit angeeignet hat. Die große schwarze Magie ist
ein in weiten Teilen übernommenes Ritual des
"Golden Dawn". Das Ziel dieses Prozesses wird
mit der "magischen" Parole des "Zeitalter
des Sets" Xeper (= Werde!) eingeleitet. Hier wird
mit Hilfe des "Fürsten der Finsternis"
(Satan) der Wille des Ritualzelebranten zu höchsten
Formen und Stufen der Selbstverwirklichung
"kultiviert". Andere Orden innerhalb des
"Tempel of Set" sind:
-
"Orden des Trapezoids" (pflegt einen
germanischen Runensymbolismus)
- "Orden Amn Bast"
- "Orden des Leviathan"
- "Orden des Nepthys"
- "Orden des Vampirs"
Mit
der Gruppe "The Black Omen (T.B.O.)" erhalten
wir eine "vulgärsatanistische
Provinzvariante" des okkultistisch-traditionellen
Satanismus. Das Ritualsystem ist einfach strukturiert
und wahrscheinlich den Persönlichkeitsstrukturen der
Mitglieder angepaßt. Auffällig ist die starke Dominanz
des Leiters und die kriminelle Energie, (Ex-)Mitglieder
den Ausstieg aus der Gruppe unmöglich zu machen.
Insofern ist das Tagebuch der R. ein wichtiger Beleg für
die dunkle, menschenverachtende Seite im Satanismus.
Hier wird das häßliche und wahre Antlitz des
Satanismus nicht durch ein sich intellektuell gebärdenden
und als "bekömmlich" angepriesenen rituellen
Satanismus verschleiert.
Tagebuch
der R.:
Das schwarze Omen (T.B.O.) und seine Sitten
Der
Cult ,T.B.O. (The Black Omen) ist glaube ich einer der
schlimmsten die ich kenne. Denn ich war mal ein Mitglied
von ihm, und weiß von was ich spreche. Daß schlimmste
was ich durchmachen mußte, war...das Lösen von dieser
Gruppe. Die Jahre, die ich damit verbracht habe, den
Teufel anzubeten, waren meist fürchterlich. Warum? Weil
es mehr und mehr zu einer Sucht wurde, so wie die
Zigaretten.
Neue
Mitglieder
Um
neue Mitglieder zu gewinnen, zieht T.B.O. immer und
immer wieder die gewohnte Masche ab:
1.
Anreden auf dem Schulhof oder auf der Straße
2. In einem das Interesse zu wecken, sich mehr für
Okkultismus (z.B. Kartenlegen >Tarot< oder Gläserrücken)
zu interessieren
3. Versuchen (einen) zu überreden, ob man nicht Lust
hat, an einer „Schwarzen Messe" teilzunehmen.
Wenn
der Kult das geschafft hat, einen zu überreden, dann
ist es meistens schon zu spät, denn dann will man sich
immer mehr dafür interessieren. Denn nach der ersten
Messe fragt man den Neuen, ob er nicht Mitglied werden möchte.
Sagt derjenige aber nein, versuchen die Satansanhänger
ihn oder sie immer und immer wieder zu überreden, bis
man eben ja sagt.
Das
Weihen von neuen Jüngern
Genauer
gesagt, das Einschweißen von festen Mitgliedern. Wenn
man ein paarmal an einer Messe teilgenommen hat, folgt
die Taufe der Jünger. Die Taufe beginnt mit einem fürchterlichen
Spektakel. Die Oberjünger ziehen dazu schwarze Mäntel
(Kutten) an. Dann entzünden die mittleren Jünger ein
großes Lagerfeuer. Sie geben dem neuen Jünger die
Taufkutte, die er sich anziehen muß. Später versetzt
der Messias den Jünger in Hypnose. Man setzt ihn ca.
zwei Meter vom Lagerfeuer weg. Die Oberjünger setzen
grausige Masken auf und fangen an, wie wild um den Jünger
und dem Feuer zu tanzen. Dabei wirbeln sie immer wieder
mit Lederpeitschen um sich, um den Neuen mehr und mehr
in Trance zu versetzen. Dieses wilde, laute Getänzel
dauert eine ganze Stunde. Anschließend wird eine Hahn
auf dem Opferstein getötet. Das Blut wird in einem
Taufpokal hineingegossen und dem Jünger, der immer noch
in Hypnose ist zu trinken gegeben. Damit ist er
„eingeschweißter Satansanhänger".
Als
Erinnerung zur Taufe wird ihm ein Kerzenständer, ein
Totenkopf und eine Schatulle mit einer Beschwörungstasse
gegeben. Der Totenkopf wird auch "Tot mit zwei
Gesichtern genannt", weil er auf der Rückseite ein
Spiegelbild hat.
Hypnose
als Drohmittel
Falls
einer der "Jünger der Gemeinde" die Lust am
Anbeten des Satans verliert, wird er in Hypnose durch
ein Pendeltrack versetzt.
Mit
einer Spritze wird ihm (außerdem) ein Serum gegeben,
das sonderbare Wirkung hat. Und die ist so: Nachdem man
ihm das Serum gegeben hat, wird er aus der Hypnose
geholt. Bevor man ihn gehen läßt, wird ihm noch mit
(Worten) gedroht, wie z.B. "Denke daran, daß Satan
über große Macht verfügt" oder "Bedenke wir
sind Diener des Satans und er bestraft diejenigen, die
versuchen, uns und ihm nicht zu gehorchen." Das
Serum zeigt erst seine volle Wirkung, wenn man schläft.
Man bekommt fürchterliche Alpträume, die man vorher
nie hatte. Auch ich hatte leider die Erfahrung damit
gehabt.
Wudupuppen
Solche
Puppen verwendet der Kult, wenn man Aussteigern Angst
einjagen will, um sie wieder zurückzugewinnen.
Die
Strafe für Verräter
Dieses
Zeichen ist für Verräter, die den Kult verraten oder
versuchten, es zu tun. Mit einem Messer wird ihm auf den
rechten Arm das Teufelskreuz eingeritzt als Erinnerung
an seine Mitgliedschaft. Der Strich bedeutet "ewige
Verdammnis" in der Hölle. Und der Punkt bedeutet,
daß der Ex-Jünger seine Ehre und seinen Stolz auf
immer verloren hat. Dann muß er den "Peinweg"
durchqueren. Alle Mitglieder stellen sich in zwei Reihen
gegenüber auf. Der Verräter muß ihn mit Spucken,
Treten, Kratzen und Schimpfwörtern von den anderen
durchqueren.
Ist
oder hat er es (geschafft), gepeinigt durchzukommen, ist
die Strafe noch lange nicht zu Ende. Es folgen fürchterliche
Strafen, die er über sich ergehen lassen muß. Die ich
lieber nicht aufschreiben werde.
Der
Kometenflug
wird
im Kult als "Satansritt" bezeichnet. Dieses
Ereignis ist für den Kult das wichtigste, was es gibt.
Er wird mit großem Spektakel gelobt und gefeiert. Der
Grund dafür ist, daß sie glauben, der Teufel selbst würde
mit seinem "Höllenwagen" und seinen beiden
Ziegenböcken "Delos" und "Zodar"
den Himmel überqueren. Der Kometenflug hat ein
bestimmtes Zeichen.
Die
Opfergaben
Das
sind meistens:
- schwarze Hähne (zur Taufe),
- weiße Hasen,
- Katzen,
- kleine Hundewelpen (ca. 2- 4 Wochen).
Im
Sonderfall:
- weiße Hennen.
Wenn
der Kult die "große Einweihe" hat, wird ein
schwarzer Hahn und eine weiße Henne geopfert. Das
beweist die Stärke des Satans. Die Weihe, nicht der Jünger,
sondern des Teufels, wird jedes Jahr im Monat November
gefeiert. Wozu sich alle Mitglieder in einem Pentagramm
auf den Boden setzen und dabei den legendären
Teufelskreis bilden. Die Macht des Teufels, dem Feuerdämon.
Die "Niedrigen Jünger" setzen sich in einer
schwarzen Kutte gekleidet außen hin. Die "Oberjünger"
und die "Mittleren Jünger" bilden den Stern.
Und der Messias sitzt in der Mitte. Er ist mit beiden
Farben also Rot und Schwarz gekleidet um seine Stärke
zu beweisen.
Das
Lösen von der Gemeinde
das
ist das schlimmste, was ich durchmachte. Ich weiß, daß
der Messias versuchen wird, mich zu finden und mich zurückzuholen.
Aber Gott sei Dank habe ich drei bestimmte Freundinnen,
die mir im Notfall beistehen werden. Denn
Freundschaftsliebe ist meistens stärker als das Böse.
Hoffentlich. R."
Ein
Brief von T.B.O. an R.
"Diesen
Fehler können wir dir nicht verzeihen R. Oh nein, das können
wir nicht. Du hättest dich nicht wieder mit ihnen
vertragen sollen. Für diesen Fehler wirst du noch
schwer bezahlen und wie du dafür bezahlen wirst. Denn
wir wissen wie du verletzbar bist, wenn es um deine
Freunde geht.
Entweder
deine Freunde oder T.B.O. Wir erwarten dich am Mittwoch
um 20.00 Uhr im Zirkel. Ob du kommst oder nicht ist
deine Sache.
Aber:
Denke genau darüber nach, welche Entscheidung du
triffst. Denn du bist und bleibst ein T.B.O. Anhänger
und dienst Mephisto. Du trägst sein Zeichen. T.B.O.
Denke darüber nach (wir erwarten dich)."
Ein
Brief von T.B.O. an die Freundin von R.
"Hallo
Ivonne!
Ich
muß euch beglückwünschen, das ihr euch endlich von R.
gelöst habt und ihr eingesehen habt, das diese
Freundschaft keinen Wert hat. Endlich steht uns nichts
mehr im Wege, um sie ganz zu uns zu holen. Denn sie weiß
nicht mehr was sie tut oder sagt. Dank euch ist sie uns
endlich gefüge geworden, sie gehört zu uns. Ich danke
euch. Endlich können wir sie auf ihre (neue) Taufe
vorbereiten. Dann gehört sie für immer uns. Endlich.
Thomas
B. Olsen"
Ein
Abschiedsbrief von R. an ihre Freundin
"Hallo
Ivonne!
Wenn
Du diesen Brief erhältst, werde ich nicht mehr sein.
Ich weiß einfach nicht mehr, was mit mir werden soll.
Ich habe keine Achtung mehr vor Gott, seit ich wieder in
dem Kult bin. Vielleicht faßt Du das als Scherz auf,
vielleicht auch nicht.
Aber
das ist mein voller Ernst. Was soll ich denn noch auf
dieser Welt? Ihr könnt die Probleme, die ich habe, ja
doch nie verstehen oder ernst nehmen. Es ist auch
einfach zu sagen: „Ich habe einfach keinen Lebensmut
mehr." Es hat sich ausgespielt mit meinem Leben.
Ich bin heute deshalb nicht zur Schule gekommen. Ich
kann einfach nicht mehr. Nämlich wenn ich Euch so fröhlich
sehe, weiß ich, daß ich es nicht mehr sein kann. Denn
hinter meinen Rücken verhindert das immer wieder T.B.O.
oder der Rückfall in den Kult, damit sie Euch nicht belästigen.
Spätestens
am Donnerstag erfülle ich mein Vorhaben. Sollte ich es
aber nicht tun, dann weiß ich, daß ich dazu auch
keinen Mut habe. Dann bin ich nur noch ein Feigling, der
Eurer Freundschaft nicht wert ist.
Aber
man weiß ja nie, vielleicht tue ich es doch. Ich
brauchte viel Mut, um diesen Brief zu schreiben, der
vielleicht der letzte sein wird. Nämlich, wenn ich zurück
denke, habe ich uns vier vor Augen, wie wir zusammen
gelacht haben. Die Erinnerung daran, können mich nur
halb davon abbringen.
P.S.
Wenn ich am Donnerstag nicht zur Schule komme, weißt Du
warum. Und sage es vorher nicht Janine oder Jeanette
(bitte). Es ist mein Ernst.
Tschau
R."
3.4.
"Acid" - Satanismus
Ziel
ist es, mit Hilfe von Drogen orgiastische und
sadistische Satansriten zu feiern. In diesem
Zusammenhang kommt es häufig zu Rituellem Mißbrauch
von jungen Frauen und zur Gewaltanwendung gegen Tiere
und Sachen. Der eigene praktizierte Satanismus muß in
diesem Bereich durch körperliche Auffälligkeiten (Tätowierungen,
Piercen usw.) proklamiert" werden. Eine, der
wichtigsten Gruppen ist der "Temple of Psychic
Youth". Aber auch Charles Manson und seine "The
Family", die für die 1969 begangenen Ritualmorde
an der Hollywood-Schauspielerin Sharon Tate (Ehefrau des
Regisseurs Roman Polanski) und weiterer Personen haftbar
gemacht wurden, gehören in dieses Genre. Kennzeichnend
für diese Bewegung ist die mangelnde Organisationfähigkeit,
ein nur schwach ausgeprägtes Ritualsystem, aber dafür
den unbändigen Willen alle gesellschaftlichen
Konventionen über Bord zu werden.
"Entweihungen" (Profanierung) von Kirchen und
Friedhöfen gehören genauso zu den Kultpraktiken, wie
das Feiern von Tieropfer-Ritualen oder Begehen von
Ritualmorden. Es ist davon auszugehen, daß die Medien
(Fernsehen und Presse) die Folie für das Praktizieren
eines Großteils dieser Rituale bietet.
3.5.
Luziferismus
Im
Luziferismus wird die Gestalt Satans überwiegend
positiv gesehen. Er ist in der manichäischen und
gnostischen Tradition der "Lichtbringer" und
die Personifizierung des unabhängigen und selbstbewußten
Geistes (s. Nevill Drury, "Lexikon Esoterischen
Wissens", München 1988). In diesem Zusammenhang muß
auf C.G. Jung's "Psychologie des Unbewußten"
und seine Idee von den Archetypen (Bilder des
kollektiven Unbewußten, z.B. aus verschiedenen
Mythologien die Gottheiten) etwas näher eingegangen
werden. Hier "entsteht eine neue Begründung des
Polytheismus. Es gibt die Archetypen, die antiken
Gottheiten. Es gibt sie subjektiv, aber sie sind auch
mehr als reines Produkt der Kollektivseele der
Menschheit. Man kann sie verehren, sogar anbeten, denn
sie manifestieren und repräsentieren Kräfte, die das
Individuum transzendieren. Man kann sie zugleich
manipulieren, insofern sie Teile des Individuums
darstellen. Die Götter begreifen heißt, sich selbst zu
begreifen." (s. J.G. Melton, "Magic,
Witchcraft and Paganism in America - A Bibliography",
New York 1982, S. 20). In diesem Zusammenhang wird von
einem Teil luziferistischer Satanisten nach C.G. Jung
anstatt der Trinität eine Quaternität favorisiert.
Neben dem Vater (die Einheit) und dem Heiligen Geist
(die Versöhnung) gibt es noch die beiden Söhne
Christus und der Teufel (der Konflikt). In diesem Sinn
ist Luzifer (Satan oder Teufel) dann als vierte Person,
Seinsform oder Emanation Gottes verstanden (s. auch
Massimo Introvigne, a.a.O., S. 202). Die etwas einfacher
strukturierte Variante, seit dem Mittelalter im Umlauf,
besagt, daß Luzifer, weil er den Menschen das Licht
bringen wollte, um ihnen ihre Göttlichkeit bewußt
werden zu lassen, aus "Konkurrenzgründen" von
Gott (Elohim) aus dem "Himmlischen Hofstaat"
entfernt wurde. In der Gegenwart gibt es nur noch
kleinere, die Öffentlichkeit scheuende Gruppierungen in
der Bundesrepublik.
Bei
den nächsten drei Kategorien des Satanismus spielen
symbolische oder kulturelle Kriterien für die
Klassifizierung keine Rolle. Vielmehr sind ihre
Einstufungskriterien im psychosozialen oder
soziologischen Umfeld zu suchen.
3.6.
Psychotischer Satanismus
ist
weder organisiert noch in seinen Ritualpraktiken
strukturiert. Psychotische Satanisten sind ihrem Persönlichkeitsprofil
entsprechend Einzelgänger. Rituale werden nur alleine
oder im kleinen Kreise (zwei oder drei Personen)
zelebriert. In "Blut-Ritualen" werden sich am
Unterarm Schnitte zugefügt und das so gewonnene Blut
Satan geopfert. Anlaß und Auslöser der Ritualpraxis können
u.a. "innere Stimmen" sein, die oftmals auf
psychopathologische Ursprünge (z.B. Psychosen) zurückzuführen
sind. Es ist nicht auszuschließen, daß es in diesem
Bereich zu "wahnhaft" motivierten Straftatbeständen,
im Extremfall bis zum Mord, kommt.
3.7.
Jugendzentristischer Satanismus
ist
im Grunde genommen kein echter Satanismus. Jugendliche möchten
sich auf allen Ebenen, also auch im jugendkulturellen
Bereich, von der Welt der Erwachsenen abgrenzen. Das ist
für ihre Entwicklung und Erziehung zur Eigenständigkeit
unabdingbar und von größter Wichtigkeit. Jugendliche
werden in der Polarität zur - als langweilig,
abgesicherten, technisierten und durchgestylten mit
wenig Raum für Abenteuer versehenen - apostrophierten
"Erwachsenen-Welt" ihre eigene Identität mit
ihren originären Ausdrucksformen suchen. In diesem
Zusammenhang spielen Gewaltphantasien durchaus eine
Rolle. Häufig wird mir berichtet, in welchen Gegenden
es wieder zu "Satansmessen" gekommen ist. Bei
genauerer Befragung stellen sich Behauptungen schnell
als Vermutungen heraus. Wodurch unterscheidet sich
jugendzentristischer Satanismus vom echten? Ersterer
bietet keine Gewähr auf Dauer. Die Gruppen, kaum
durchorganisiert, treffen sich sporadisch. Es gibt zwar
einen Initiator oder Anführer, aber keine hierarchische
Struktur. Auch sind die Rituale, die an abgelegenen
Orten durchgeführt werden, nicht systematisiert oder
gar fixiert. Alles ist im Fluß. Als Vorlage für die
Ritualpraxis dienen alle möglichen Arten von Literatur
(Bücher, Illustrierte, Jugendzeitschriften, wie
"Bravo", "Girl" etc.) oder Filme,
wie auch Berichte in den einzelnen Fernsehsendern. Häufig
werden in diesem Rahmen Tieropferungen vollzogen oder es
kommt zu "Entweihungs-Ritualen" (Profanierung)
in und an Kirchen. Manche "Sprühaktion" an
Hauswänden und Strom-Schaltkästen wird aus einem
jugendzentristischen Ansatz heraus geschehen sein.
3.8.
Black Metal und Satanismus
kann
hier nur grob angerissen werden. Leider gibt es für
diesen Bereich noch keine brauchbaren und guten Veröffentlichungen
in Deutschland, von ein paar Aufsätzen einmal
abgesehen. Die meisten Abhandlungen beziehen sich mehr
oder weniger auf spekulative Quellen. Selbst heute
geistert noch die Veröffentlichung von U. Bäumer,
"Wir wollen nur Deine Seele" mit seinen
teilweise willkürlichen Schlußfolgerungen durch
deutsche Buchhandlungen. In dieser Abhandlung werden
Bands wie die "Rolling Stones",
"AC/DC", "Led Zeppelin" oder "Eagles"
undifferenziert als Wegbereiter oder Involvierte des
Satanismus ausgemacht.
Der
Name "Black Metal" bezieht sich auf die zweite
LP der Gruppe "Venom" aus dem Jahr 1982,
insofern kommt dieser Band auch für den heutigen Black
Metal, der ein Subgenre des Heavy Metal darstellt, eine
gewisse Bedeutung zu. Die ursprünglich satanistischen
Inhalte der Black Metal-Bands der 80er Jahre wurden überlagert
durch Endzeitthemen Mitte der 80er Jahre und mündete in
den "Trash Metal", der gekennzeichnet ist
durch Destruktion, Blasphemie, Perversion,
Gewaltphantasien, Zerstörungswut. Anfang der 90er Jahre
erscheint als neues Subgenre der Death-Metal mit dem dafür
typischen kehlkopfkrebsartigen Gesang und den auf Baß
heruntergestimmten Gitarren. Inhaltlich wird jetzt der
Tod, Nekrophilie mit all ihren perversen Spielarten,
aber auch der Satanismus thematisiert.
Als
Beispiel dient der Text "Seven Churches", der
Gruppe "Holly Hell by Possessed":
"heilige
Hölle
heilige Hölle - tod für uns
satansfell unheilige lust
teufelswasser beginnt zu fluten
gott ist geschlachtet trinkt sein blut
der
wirkliche glaube ist ganz nah
wir müssen in satans land gehen
raub des todes und schrei des lebens
sensenmanns atem wird neues leben hauchen
satans
sohn ist neu geboren
dem tod verschworen
tage von hass und tage von schmerz
ewigkeit für satans herrschaft
endlose
träume nachts
ewiger schlaf ewige angst
geschändete kreuze o schwarze messe
der satan regiert auch mich zuletzt
ganzer
himmel ganze erde
du wirst deinen Gott treffen
angekettet in Folter schmerzgefesselt
wie ein Hund
böse
tage böse nächte
schwarz wie der Tod sünderherzen herzen aus stein
sensenmanns atem
da
war blut und schmerz
da war ekstase
gier nach magie hexengier
zauberei
spür
die macht spür die glut
tief da unten
töte leute kille sie
nimm ihre seele
geschwärzte
messen geschwärzte kreuze
ritual ab die köpfe kehlen durch
nimm den sündenfall auf dich."
Ein
Beleg für das Vermischen in dem Bereich der Subgenres
Death Metal und Black Metal mit den Inhalten bietet die
Band "Asmodeus" Dort heißt es in einem ihrer
Songs auszugsweise:
"du
wanderst auf einen ruhigen weg und fandest die
verspritzten reste
deine Gedanken wurden sinnlos
hier und da lagen teile von menschlichen körpern
der abartige gestank von ihnen ist das was du überall
riechen konntest
ihre torsos waren zerbrochen und verstreut
die gehirne lagen auf dem boden und die augen waren das
nächste was du fandest
und dann sahst du deinen spaß
ein brustknochen der zur sonne zeigte
jetzt hast du das gefühl alle bruchstücke platzen in
deine vagina herein
"du kommst"
vergewaltige den tod und genieße den tödlichen
Sex."
Weitere
Bands haben die teilweise beziehungsreichen Namen:
"Signum Salomonis", "Necrolust",
"Cannibal Corpse", "Impaled Nazerene",
"Sleeping Gods", "Mangled Torsos",
"Crematory", "Katatonia" u.v.a.m.
Anfang
der 90er Jahre erhält der "Black Metal" seine
"zweite Luft" und ist, ideologisch verschärft
gegenüber der ersten Black Metal-Welle, voll wieder im
Geschäft. Diesmal (1992) übernehmen norwegische
"Black Metal'er" die geistige Führerschaft,
allen voran der damals 22jährige Varg Vikarnes von der
Gruppe "Burzum", auch bekannt unter dem Titel
"Greven" (der Graf). Er war Mitbegründer des
"Inner Circle", einer militanten
satanistischen Vereinigung von "Black-Metal-Musikern".
Vikarnes ermordete aus Konkurrenzgründen den Satanisten
und Black Metal-Musiker Oystein Aarseth, alias "Euronymus",
der bis dato als Kopf des norwegischen Circles galt (s.
die Reportage von Wolf Rüdiger Mühlmann im Göttinger
Tageblatt "Satanismus und Musik", S. 25-27,
9.2.1995). Vikarnes mit seinem Pseudonym "Count
Grishnackh" und anderen Mitgliedern des „Inner
Circle" sind mittlerweile über 20 Kirchenbrände
in Norwegen zur Last gelegt worden. Der "Graf"
führt, obwohl zu lebenslanger Haft verurteilt, seine
"Geschäfte" aus dem Knast weiter. Nicht nur
Vikarnes, auch andere Black Metal'er mordeten, so z.B.
der Schlagzeuger der Gruppe "Emperor", Bard G.
Eithin, Pseudonym "Faust" in Lillehammer einen
Homosexuellen. Bands, die laut Mühlmann dem
norwegischen "Inner Circle"\ angehören heißen:
"Burzum", "Dark Throne", "Immortal"
und "Emperor".
Inzwischen
soll sich, von den Norwegern beeinflußt, eine
"German Black Metal Mafia" in Deutschland gegründet
haben.
Als
Black Metal-Bands zählen sich: "Acheron",
"The Principle Of Evil Mad Flesh", "Bifrost",
"Obscure", "Tiamat", "Cynic",
"Abyssic Hate", "Ungod", "Black
Funeral", "The Dark Regions", "Godkiller",
"Dark Sanctuary", "Zephirous",
"Funeral Moon" und v.m.
Eine
weitere Beobachtung ist für diese Szene symptomatisch.
Es tritt eine zunehmende Versektung der Bands ein, die
neben ihren "Live-Gigs" als
"Organisationsgründer" in Erscheinung treten.
Die Gruppe "Acheron" kann dafür als Beleg
dienen. In einem Interview mit einem Rock-Magazin
bekannte Gitarrist Vincent Breeding, daß der
Band-Leader von "Acheron" Vincent Crowley eine
"Satans-Sekte" mit dem Namen "Order of
the Evil Eye" als Unterabteilung der "Church
of Satan" gegründet habe. Angeblich umfasse der
weltweite Mitgliederbestand 5.000 (?) Personen.
"Acheron" besingt auf der 1992 erschienenen CD
"Rites of the Black Mass" das gesamte Ritual
der "Schwarzen Messe" des Anton Szandor LaVey
und seiner "Church of Satan".
Ein
weitere Signifikanz für diesen Bereich liegt in der
zunehmenden Kommerzialisierung. Verlage und Versender,
wie z.B. "Nuclear Blast", "Alchemy";
aber auch EMP u.a. verkaufen neben CD's natürlich auch
"Fan-Zines", Literatur, sonstige
"Devotionalien", T-Shirt's, aber auch
"Untergrund-Literatur", z.B. die Blätter
"Nordic Vision" (Themenbereich:
Skandinavischer Satanismus), "Chaos", "Immemorial",
"Deo Occidi", "INFERNUS-The Second
Blasphemie", usw. Es braucht keine ausgeprägte
Phantasie, festzustellen, daß die Kommerzialisierung
entscheidend zur Verbreitung satanistischen
Gedankengutes beiträgt.
4.
Praktiken und Rituale
Arkandisziplin
(AD)
Jede
Satansorganisation (Kult), Gruppe, Loge oder jeder Orden
pflegt ihre, bzw. seine "Arkandisziplin", d.h.
initiierte (eingeweihte) Mitglieder dürfen bei
martialischer Strafandrohung (z.B. Folter,
Vergewaltigung, Tod usw.) keine Informationen über die
Infrastruktur und den Organisationsgrad der Gruppe,
Loge, des Ordens nach außen weitergeben. Auch dürfen
sie nicht über Initiationsgrade, über den genauen
Ablauf von Ritualen oder sonstigen Praktiken berichten.
Das Initiationsritual bindet ferner die Mitglieder zeit
ihres Lebens an die Organisation. Sie können nach dem
Selbstverständnis der Gruppe, Loge oder des Ordens
nicht mehr aussteigen. Es sei denn, die Organisation würde
sich auflösen oder die zweite Möglichkeit, dem
"Eingeweihten" ereilt der Tod.
Ausstiegswilligen
wird die wilde Entschlossenheit der Organisation, sie
nicht so ohne weiteres ziehen zu lassen, psychisch wie
physisch vor Augen geführt. Z.B. berichtete ein
Aussteiger, daß der Anführer einer Gruppe mit Hilfe
von Bodygards und Androhung von körperlicher Gewalt
("...wenn man aussteigen will, dann für
immer...!") versuchte, ihn vom Ausstieg
abzubringen. Aussteiger sind einem permanenten überwiegend
psychischen Druck ausgesetzt. Sie bekommen Pakete mit
halbverwesten schwarzen Katzen und Hähnen zugeschickt
oder man legt z.B. tote Ratten in Pentagrammform vor die
Wohnungshaustür des Ex-Mitgliedes. Es spielt in diesem
Zusammenhang keine Rolle, ob der Kult zum "Vulgär-Satanismus"
(bedeutet: es ist nur ein gering ausgeprägtes
Ritual-System vorhanden) oder zu einem mit akademisch
gebildeten Intellektuellen besetzten
"Rationalistischen Satanismus" zählt.
Das
solche "Druckmechanismen" greifen, hängt zum
einen mit dem magischen Verständnis der Involvierten
zusammen; zum anderen sind sich die meisten Mitglieder
der Tatsache bewußt, daß es bei den praktizierten
Ritualen oder sonstigen Praktiken der Gruppe häufig zu
Straftatbeständen kommt, die, einmal bekanntgeworden,
notwendigerweise eine Strafverfolgung durch
Staatsanwaltschaft und Polizei nach sich ziehen.
Ex-Satanisten führen in Gesprächen neben ideologischen
auch ökonomische Gründe an, warum das Verletzen der
Arkandisziplin und der damit oftmals verbundene Ausstieg
der "Arkandisziplin-Verletzer" so unnachgiebig
und unerbittlich durch die Organisation verfolgt wird.
Jeder "Aussteiger" dokumentiert mit seiner
Verhaltensweise, daß entgegen der Prämisse z.B. im
"Okkultistisch-Traditionellen Satanismus",
Satan nicht über die "Allgewalt" auf Erden
verfügt, er nicht der "Fürst (Herrscher) dieser
Welt" ist und daß man dementsprechend unbeschadet
die ideologische Rüstung wechseln kann. Die Akzeptanz
eines solchen Schrittes durch die Satansgruppe, -loge
oder den Satansorden bedeutet, daß der Untergang dieses
Satankultes vorprogrammiert ist! Auch haben
Satansorganisationen durchaus ein ökonomisch-monetäres
Interesse, daß die Involvierung ihrer Anhänger
festgeschrieben wird. Das sichert auch zukünftige
Einnahmen u.a. durch den Zwang zur Prostitution der
weiblichen Mitglieder, Drogen-Deals, Hehlerei und
Erpressen "freiwillig gezahlter Geldbeträge".
"Schwarze
Messe"
Die
Schwarze Messe stellt die Umkehrung des christlichen
Ritus, genauer der Römisch-Katholischen Messe dar. Zum
Szenarium satanistischer Messen gehört schwarzes Tuch,
Paramente, vergleichbar den liturgischen Gewändern der
katholischen Priester oder Mönche. Meßbücher und
Pulte finden Verwendung (s..Crispino, Giovanni, Zatterin,
"Das Buch vom Teufel", S. 73, Frankfurt/M
1987). Die Schwarze Messe nach Anton Szandor LaVey wird
mehr in der Form eines (perversen) Psychodramas
zelebriert, die Dvorak (s. Dvorak, a.a.O., S. 103,
zitiert bei J. Schmidt, a.a.O., S.164) folgendermaßen
beschreibt:
"Verwendet
werden dabei Texte aus der Bibel, dem Missale Romanum
(in entsprechend pervertierter Form), von Charles
Baudelaire und aus Joris-Karl Huysmans satanistischen
Schlüsseroman 'La Bas'. Der Kultraum ist einer
gotischen Kapelle nachempfunden, als liturgische Musik
spielt eine Orgel Werke von Bach oder Palestrina, unter
dem Bildnis Baphomets hängt über einer nackten Frau
ein auf den Kopf gestelltes Kruzifix. Als Hostie dient
ein Rübenschnitzel, das Weihwasser wird durch den Urin
einer als Nonne verkleideten Hexe ersetzt, die ihn zuvor
coram publico in einen Nachttopf strömen läßt.
(.....). Das Gloria der Schwarzen Messe lautet: 'Gloria
Deo, Domino Inferi, et in terra vita hominibus fortibus.
Laudamus te, benedicimus te, adoramus te, glorificamus
te propter magnam potentiam tuam: Domine Satanas, Rex
Inferus Imperator omnipotens.' Auch das Vaterunser ist
an Satan gerichtet: 'Our Father which art in Hell.
(....) We take this night our rightful due, and trespass
not on path of pain. Lead us unto temptation, and
deliver us from false piety. (....) And let reason rule
the earth.' Die vom Priester konsekrierte Rübenhostie
wird unter blasphemischen Schmähungen Jesu als
Sklavengott bespiien und zertrampelt, aber den im Meßkelch
befindlichen Wein oder Likör bietet der Zelebrant den
Gläubigen mit den Worten an: 'Seht den Kelch der
Fleischeslust, der Lebensfreude schenkt.'"
Andere
praktizierte Rituale sind z.B Bann(ungs)rituale. Phil
Hine, eine bekannte Größe in der Szene stellte dazu
fest: "Wenn ich für jede Person, die ich während
der letzten Jahre traf, und die zu mir sagte, "Ich
mache mir nichts aus Bannungsritualen" und sich
dann anfing zu wundern, warum sie Probleme mit ihrer
Magie bekam, wenn ich also für jede solche Person 1
Pfund Sterling bekommen hätte nun, ich hätte genug
Geld für eine Mahlzeit in einem gediegenen Londoner
Restaurant. Ein Bannungsritual ist das erste, was Du
lernen solltest, wenn Du Dich mit Magick beschäftigst
(meiner Meinung nach zumindest), und dies zu tun spart
später jede Menge Ärger. "Bannen" wird auch
als "zentrieren" bezeichnet, was in mancher
Hinsicht ein passender Ausdruck für die Übung
ist." (s. Abrahadabra Nr. 8, Okt./Nov. 1993).
Weitere
Rituale nennen sich z.B.:
Die
Evokation der Vergessenen-durch den Magischen Spiegel
(s. Abrahadabra Mai 1993)
Invokation von ALHKTGA (s. Abrahadabra 12/1992 - gehört
zum Bereich der Henochischen Magie)
Invokation des Nop,
Invokation von EDLPRNAA-König des Feuers (s.
Abrahadabra 3/1993)
Kommunikation mit Lam (s. Abrahadabra 12/1992)
Liber HAD-sub figura DLV-Der Kult des unendlichen
Inneren und
Liber NV-sub figura XI-Der Kult des unendlichen Äußeren,
(s. Abrahadabra, Mai 1993)
Ritual für die Qabalisitsche Sphäre von Malkuth und
Ritual
für die Qabalistische Sphäre von Tiphareth (s.
Abrahadabra Juni / Juli 1993)
Der Ritus des schwarzen Stern, verschiedene
Opferrituale,
Strategem Nr. 14-Für die Rückkehr der Seele einen
Leichnam ausleihen
Shattering-Die Einsamkeit des Langstreckenläufers
Dieses
wird mit einer Warnung eingeleitet: "Das Ritual,
das folgt, ist rein Ich-bezogen und kann verschiedene
Folgen haben, die sozial unerwünscht bis unakzeptabel
sind. Von unkontrollierter Ego-Aufblähung bis hin zu
paranoiden Aggressionsausbrüchen ist eine Menge möglich.
Allerdings sollten solche unangenehmen Folgen nur bei
einem Magus auftreten, der fähig ist, den Anfang zu
erwischen und nur dann, wenn der Magus eine zu
festgelegte Tunnelrealität bewohnt, sowieso neurotisch
ist oder den Sinn dessen, was er tut, nicht versteht.
Bei Leuten, die gerne Magi der beschriebenen Art wären,
denen aber die Potenz fehlt - oder die notwendige
Struktur - wird nichts von Bedeutung geschehen."
5.
Schlußbemerkung
Die
vorliegenden Fragmente über satanistische Handlungen
und Ritualpraxis machen deutlich, daß
"Satanismus" nur sehr differenziert zu
beurteilen ist. In allen magischen Systemen werden höchst
manipulative Techniken (von Autosuggestion bis
Trancearbeit) zur Beinflussung der Involvierten bewußt
eingesetzt, obwohl für die unerwünschten Folgen
(Paranoia oder sonstige psychotische Zustände) keine
Verantwortung übernommen wird. Zunehmend brutaler und
krimineller geht es in einigen Bereichen des Satanismus
zu (Black Metal, Jugendzentristischer Satanismus, aber
auch in einigen Sektionen des Rationalistischen wie
Okkultistisch-traditionellen Satanismus). Gesetzgeber,
aber auch die Strafverfolgungsbehörden, sowie die
Jugendämter sind aufgefordert, entsprechend ihren Möglichkeiten
(Gesetzgebung, fachspezifische Ausbildung von geeigneten
Mitarbeitern) zu reagieren. Die Beratung und vor allem
die Rehabilitation von Involvierten und Ex-Mitgliedern
steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen.
Hier
muß bald und nachhaltig eine Besserung im Sinne der
Betroffenen und ihrer Angehörigen eintreten!

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